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Berechtigte Sorgen von Eltern ernst nehmen

Berechtigte Sorgen von Eltern ernst nehmen

28.01.2014

Leserbrief zum Beitrag "Sprachprobleme von Kindern - Schock vor der Einschulung" der Süddeutschen Zeitung online vom 27.01.2014.

dbl-Präsidentin Christiane Hoffschildt nimmt Stellung:

Der im vorliegenden Beitrag geäußerten Unterstellung, dass LogopädInnen sich ihr „System selbst erhalten“ würden, muss nachdrücklich widersprochen werden. LogopädInnen dürfen heilkundlich nur auf ärztliche Verordnung hin arbeiten. Der Arzt entscheidet über die medizinische Notwendigkeit einer logopädischen Behandlung für ein Kind. LogopädInnen beurteilen aufgrund ihres Fachwissens, ob ein Patient weiter behandelt werden muss oder ob das Therapieziel erreicht ist. Im Rahmen der interprofessionellen Kommunikation empfehlen sie beim behandelnden Arzt eine Fortführung (also Weiterverordnung) der Therapie - oder sie erklären die Therapie für erfolgreich beendet.

Die berechtigten Sorgen von Eltern mit sprach- oder sprechauffälligen Kindern primär als „gestiegene Ansprüche“ zu bezeichnen, heißt, diese Sorgen nicht ernst zu nehmen. Viele sprachentwicklungsgestörte Kinder könnten und müssten sehr viel früher diagnostiziert und logopädisch behandelt werden. Eine Früherkennung zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr böte die Chance, das Vorliegen von Sprachentwicklungsstörungen zum Zeitpunkt der Schuleingangsuntersuchungen zu minimieren.

Seit mehr als 30 Jahren geht aus den Ergebnissen der Schuleingangsuntersuchungen in Deutschland hervor, dass zwischen 25 und 30 % aller Schulanfänger sprachlich auffällig sind. Seit PISA (2000) ist dies als Problem für die weitere Schul- und Berufslaufbahn der betroffenen Kinder ins öffentliche Bewusstsein gedrungen. Dies hat sich auch in den Bildungs- und Orientierungsplänen der Bundesländer niedergeschlagen.

Doch trotz vieler Bemühungen hat sich in den letzten Jahren an der grundsätzlichen Problematik immer noch nichts geändert. Die Anzahl sprachauffälliger Kinder bei den Schuleingangsuntersuchungen ist seit Jahren gleich geblieben. Sprachentwicklungsgestörte Kinder werden in Deutschland also nachweislich viel zu spät therapiert. Dies dokumentiert der „Verordnungsgipfel“ für logopädische Leistungen um das 6. Lebensjahr. Sogar Vertreter der Gesetzlichen Krankenkassen, wie beispielsweise der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der BARMER GEK, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, sehen daher in „einer noch frühzeitigeren Diagnostik und insbesondere einer noch frühzeitigeren Therapie“ das Potential für eine Optimierung der Versorgung.

Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. (dbl)
Christiane Hoffschildt, Präsidentin
Frechen, 28. Januar 2014

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